Aufgeschlagene Hände und Knie sind ein Erkennungsmerkmal aller Kinder, die beginnen, sich mit der Geschwindigkeit einzulassen: die Geschwindigkeit der ersten Schritte, der ersten Meter auf dem Fahrrad ohne Stützräder oder die, die man auf einem Motorrad erreicht. Wenn wir fallen, strecken wir die Hände nach vorne, das sagt uns der Instinkt. Da uns unsere Hände oft verteidigen, müssen wir wiederum sie verteidigen, und zwar nach bestem Wissen und Gewissen.
Dainese widmet sich seit den späten 1980er Jahren der Entwicklung von Handschuhen, doch erst 1995 wurde der entscheidende Schritt getan. Der Full Pro Handschuh war der erste Handschuh mit starren Carbon- und Aramidfaser-Einsätzen an Handrücken und Knöcheln, eine Lösung, die zuerst von Max Biaggi erprobt wurde. Im Jahr 2006 wurde das Schutzniveau nochmals erhöht, zu den Faserplatten kamen zusätzlich Titanplatten hinzu. Das war die Geburtsstunde des ersten Full Metal Handschuhs. In seiner sechsten Auflage – daher der Name – ist Full Metal 6 der fortschrittlichste Handschutz, der in fast einem halben Jahrhundert Forschung und Experimentieren im Wettkampf entwickelt wurde.
Full Metal 6 macht ausgiebigen Gebrauch von hochentwickelten Materialien mit einzigartigen Eigenschaften. An Handrücken und Fingerknöcheln werden Carbonfaser und Titan verwendet und miteinander verbunden, um die beste Kombination aus Schutz und Leichtigkeit zu erzielen. Die untere Carbonplatte absorbiert wirkungsvoll die Kraft des Aufpralls, während die obere Titanplatte den Aufprall über einen größeren Bereich ableitet und der Hand hilft, beim Kontakt mit dem Asphalt zu gleiten und damit die Reibung reduziert. Protektoren aus Carbonfaser befinden sich auch am Schaft des Handschuhs, im Bereich des Ulnakopfes und an den Fingergliedern von Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger.
Titan und Carbon werden nicht nur wegen ihrer schützenden Eigenschaften, sondern auch wegen ihrer Leichtigkeit eingesetzt: Sie ist beim Handschuh eine ebenso grundlegende Eigenschaft wie bei einem Helm oder einem Stiefel. Die Wahl wertvoller Hochleistungsmaterialien wie Titan und Carbonfaser entspringt dem Streben nach absoluter Perfektion.
Das für den Handschuh Full Metal 6 verwendete Leder ist Ziegenleder und nicht Rindsleder, das üblicherweise für die Jacken und die meisten Anzüge verwendet wird. Ziegenleder ist weicher und deshalb besonders gut für die Handflächen geeignet, ein Bereich, in dem maximale Sensibilität am Lenker erforderlich ist. Beim Handschuh darf nichts dem Zufall überlassen werden, damit die perfekte Balance zwischen Schutz und Bewegungsfreiheit gewahrt wird. Die Auswahl aller Materialien ist entscheidend.
Für den gesamten Handschuh werden für die Nähte Fäden aus Aramidfaser verwendet. Der Grund ist einfach, aber nicht offensichtlich: Aramidfaser besitzt die Fähigkeit, den sehr hohen Temperaturen, die bei der Reibung gegen Asphalt entstehen, standzuhalten, ohne sich zu zersetzen. Auf diese Weise bleibt der Handschuh, auch wenn die Hand im Falle eines Sturzes über den Boden schleift, intakt und schützt weiterhin jeden Teil der Hand vollständig.
Um höchsten Komfort und maximale Reaktionsfähigkeit auf die Bewegungen des Handgelenks und der Hand zu gewährleisten, ist der Handschuh mit einer natürlichen Vorkrümmung des Schafts und der Finger konstruiert, die der Position der Hand am Lenker folgt. Die Form des Handschuhs ist so konzipiert, dass auch im Ruhezustand eine optimale Fahrposition erreicht wird. Auf diese Weise werden Gelenke und Muskeln nicht unnötig belastet und die bestmögliche Kontrolle über die Bedienelemente des Motorrads gewährleistet. Neben einer größeren Bewegungsfreiheit verringert die Vorkrümmung die Ermüdung drastisch, so dass Sie sich ausschließlich auf Ihre Leistung konzentrieren können, ganz gleich, ob bei einem Rennen oder längeren Fahrten.
Um der Hand die richtige Bewegungsfreiheit zu lassen, war es notwendig, zahlreiche elastische Einsätze an verschiedenen Bereichen des Handschuhs anzubringen. Am deutlichsten sichtbar ist derjenige, der den Knöchelschutz vom Handrückenschutz trennt. Hier gibt es vier elastische Bänder, die zusammenarbeiten, um allen Bewegungen optimal zu folgen. Weitere Bereiche mit hoher Beweglichkeit befinden sich an allen Fingern außer dem kleinen Finger, am Übergang zum Handschuhschaft und an der Unterseite des Daumens.
Der kleine Finger ist bei Motorradfahrern bekanntlich der Teil der Hand, für den die Gefahr schwerer Traumata am größten ist. Denn einerseits prallt er im Falle des Ausrutschens oft als erstes auf den Boden auf, zum anderen wird er leicht unter dem Lenker eingeklemmt. Deshalb wurde dem kleinen Finger besondere Aufmerksamkeit gewidmet und für ihn eine zusätzliche Schutzvorrichtung entwickelt.
Beim DCP-System handelt es sich um einen Kunststoffeinsatz, der mit Nähten aus Aramidfaser am Handschuh befestigt ist. Er befindet sich an der Basis des Fingers und ist in der Lage, unerwünschte Bewegungen und gefährliche Drehungen zu begrenzen. Auch am kleinen Finger befinden sich spezielle Platten aus Thermoplast, die auf der Außenseite angenäht sind und vor Abrieb und Traumata schützen sollen.
Die Hände sind, ebenso wie der Kopf, der Rücken und die Füße, exponierte Körperteile, deren Schutz von grundlegender Bedeutung ist. Das gilt nicht nur für Leute, die mit dreihundert Stundenkilometern über die Rennstrecke rasen, sondern auch für all diejenigen, die sich für einen Sonntagsausflug aufs Motorrad schwingen oder für ihre Fahrten im Alltag einen Motorroller nutzen. Deshalb werden die Technologien, die an Rennhandschuhen getestet werden, auch in weniger extreme Produkte integriert, um allen Zweiradbenutzern dieselbe Sicherheit und dasselbe Vertrauen wie professionellen Fahrern zu geben.